Arbeitslosenzentrum Herne präsentiert neues Domizil bei „Tag der offenen Tür“
Weiter ein „lebendiges Mahnmal“
Herne. Kleine Ursache – große Wirkung: Ein Schimmelpilz hat dafür gesorgt, dass sich das Arbeitslosenzentrum Herne kurzfristig ein neues Domizil suchen musste: Wegen erheblichen Befalls durch Schimmel und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken musste das Gebäude an der Poststraße in unmittelbarer Nähe des Herner Güterbahnhofs aufgegeben werden. Anfang des Jahres wurde ein neues Haus an der Hermann-Löns-Straße gefunden. Nachdem der Betrieb schon vor einiger Zeit wieder angelaufen war, präsentierte das Arbeitslosenzentrum, das eine Einrichtung der katholischen Kirche ist, den neuen Standort jetzt der Öffentlichkeit.
von Andreas Wiedenhaus
Bereits kurz nach dem offiziellen Beginn des „Tags der offenen Tür“ drängeln sich zahlreiche Besucher auf dem kleinen Platz vor dem Eingang. Aus Paderborn ist Caritas-Direktor Josef Lüttig angereist. In seinem Grußwort nennt er die Einrichtung ein „lebendiges Mahnmal“. Denn die Gesellschaft laufe immer Gefahr, sich an Massenarbeitslosigkeit zu gewöhnen. Das dürfe nicht geschehen. Nicht zuletzt ein Blick auf den aktuellen Landtagswahlkampf lege diese Vermutung nahe: „Arbeitslosigkeit scheint nicht das große Thema zu sein.“ Umso wichtiger sei solch ein Zentrum, das Arbeitslose qualifiziere und selbstbewusster mache.
Franz-Josef Strzalka leitet das Herner Arbeitslosenzentrum seit 23 Jahren. Die zentralere Lage nach dem Umzug sieht er als deutlichen Vorteil: „Wir sind jetzt näher an der Innenstadt und besser erreichbar.“ Seinen alten Schreibtisch und viele andere Utensilien hat Strzalka mitgenommen: „Der stand seit der Eröffnung des ALZ 1984 im Büro, jede Menge Erinnerungen hängen daran.“ Das ist dem Möbelstück deutlich anzusehen. Auch das Schild über der Eingangstür hat den Umzug von der Poststraße zur neuen Adresse mitgemacht.
Doch es sind nicht nur einige Äußerlichkeiten, die bei allen Neuerungen für wichtige Konstanten sorgen. Auch der Anspruch der Einrichtung ist noch genau der gleiche wie bei der Eröffnung: „Wir wollen mit Begegnung und Beratung, Bildung und Information arbeitslosen Menschen solidarisch zur Seite stehen“, fasst Strzalka die Ziele des ALZ zusammen. Dass das nicht immer einfach ist, weiß der Leiter: „Der Weg zu uns ist manchmal lang!“ Viele Arbeitslose würden lethargisch und könnten sich nur schwer aufraffen. Mit Bildungsangeboten und Gesprächskreisen versucht das ALZ, sie zu qualifizieren und zu aktivieren. Hinzu kommt die Rechtsberatung, die sehr häufig in Anspruch genommen werde, wie Strzalka erklärt. Für manche ist das Zentrum im Lauf der Zeit so etwas wie eine zweite Heimat geworden.
Einer von ihnen ist Udo Lork. Der 59-Jährige gehört seit Jahren zu den regelmäßigen Besuchern. Neben der Beratung ist es für den gelernten Schlosser vor allem der persönliche Kontakt, der ihm wichtig ist. „Mir ging es zeitweilig richtig schlecht. Hier habe ich nicht nur Hilfe, sondern auch Freunde gefunden“, fasst er die Bedeutung, die die Einrichtung für ihn ganz persönlich hat, zusammen.
Das Team vom ALZ hofft, dass so wie Udo Lork noch viele andere Betroffene den Weg zum Arbeitslosenzentrum finden. „Bei rund 20 000 ALG-II-Beziehern in Herne müsste der Bedarf eigentlich noch viel größer sein“, sagt Franz-Josef Strzalka. „Leider“, fügt er hinzu.
Info
Das ALZ in Herne wurde 1984 gegründet. Getragen wird es von den katholischen Kirchengemeinden, Vereinen und Verbänden in Herne und Wanne-Eickel. Finanziert wird es je zu einem Drittel von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und anderen Zuwendungen wie etwa vom Diözesancaritasverband. Weitere Informationen unter www.alz-herne.de







