Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Wenn Kirche Ghetto wird

Zum ersten Mal war der neue Bischof von Le Mans anlässlich des Liborifestes in Paderborn. Er fürchtet, dass die Kirche in seiner Diözese zu einem Ghetto werden und als Minderheit ein Leben am Rande der Gesellschaft führen könnte.


Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM

„They never come back“ (Sie kommen nie zurück) heißt es im Showbusiness. Will sagen, dass einmal verlorener Starruhm nur schwer wieder zu erlangen ist. Ähnlich schwer ist es auch für gesellschaftliche Gruppen, einmal verlorenes Terrain wiederzugewinnen. In dieser Erfahrung ist uns die Kirche in Frankreich bereits einige Schritte voraus. Auch wenn es schwierig ist, Vergleiche zu ziehen, könnte die derzeitige gesellschaftliche Situation der Kirche von Le Mans die Zukunft der Kirche von Paderborn sein.
Der Manceller Bischof befürchtet mit seiner Kirche zum Ghetto und zur gesellschaftlichen Randgruppe zu werden. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass die Paderborner Kirche in einigen Jahrzehnten dieses Schicksal teilen könnte. Darüber darf auch ein rauschendes Liborifest nicht hinwegtäuschen.
Pastorale Strukturen und Formen von Seelsorge werden notwendig sein, die viele zurzeit nicht für möglich halten. Darin ist uns das Bistum Le Mans etliche Jahre voraus. Schon vor über 20 Jahren wurde dort ein diözesaner Prozess in Gang gesetzt, zu dessen Ende drei Jahre lang mit allen Beteiligten ein Abschlussdokument erarbeitet wurde. Das hat der Bischof am Pfingstfest 2008 in diözesanes Recht umgesetzt. Es lässt sich da so einiges abgucken aus der Heimatdiözese des Bistumspatrons Liborius.


24.05.2012
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