Spannender Abend bei den Franziskanerinnen in Salzkotten: Christen erzählen aus ihrem Leben
Wenn aber Gottes Plan es anders will
Salzkotten. Gespannte Aufmerksamkeit herrschte in dem überfüllten Saal im Mutterhaus der Salzkottener Franziskanerinnen. Gut 150 Zuhörer lauschten dem Glaubenszeugnis der neun Personen auf dem Podium. Diese berichteten, wie sie zu ihrer Berufung fanden, zu ihrer persönlichen Weise des Christseins und stellten sich den Fragen des Publikums.
von Richard Schleyer
„Das war richtig spannend!“, meinte Pastor Andreas Rohde zum Abschluss. Er hatte für das „Team Berufungspastoral“ des Dekanates Büren-Delbrück das Gespräch moderiert. Das Dekanat und die Franziskanerinnen hatten zu dem Abend eingeladen, dessen lebhafter Austausch das Publikum auch nach zweieinhalb Stunden noch in den Bann zog. „Mir ist um die Kirche nicht mehr bange“, rief der Lichtenauer Pastor Josef Wördehoff am Ende begeistert aus, „wenn Christen so überzeugend von ihrem Glauben sprechen.“
Der Paderborner Landrat Wolfgang Müller legte dar, wie ihn der Tod seiner Frau in eine tiefe Glaubenskrise gestürzt habe. Alles rationale Überlegen, dass auch anderen Leid widerfahre, nützte nichts mehr. „Da gab es nur eines: Vor dem Angesicht Gottes durchhalten und den Glauben nicht wegwerfen.“ Schließlich rang er sich zu der Erkenntnis durch: „Dein Leben wird von einem gehalten, der ein Stück mehr weiß und der die Zusammenhänge anders und besser sieht als du selbst.“
Ähnlich überzeugt, dass Gott sein Leben geführt hat, zeigte sich Weihbischof Manfred Grothe. Gerade deshalb, weil es nicht so verlaufen ist, wie er es selber geplant hätte. Eigentlich wollte er von seinem Naturell her keinen Beruf ergreifen, bei dem er ständig in der Öffentlichkeit auftreten muss. Und traumatischer Mathematikerfahrungen als Schüler wegen wollte er nie mehr etwas mit Zahlen zu tun haben. Lehrer wollte er zunächst werden, kam dann doch zur Theologie, wurde schließlich Priester und später Finanzreferent der Diözese, 2004 Weihbischof. „Wie kann ich denn eine Aufgabe als Gottes Führung annehmen, die ich so gar nicht als meine Berufung erkannt habe?“ So wurde Grothe gefragt. Er habe keineswegs nur aus blindem Gehorsam Herausforderungen angenommen, die quer zu eigenen Vorstellungen lagen, erklärte der Weihbischof. Die Lebenserfahrung habe ihn vielmehr gelehrt, dass es besser sei, eine Entscheidung in die Hände Gottes zu legen als zu schnell nein zu sagen. „Erst genau hinhören, was Gott mir zu sagen hat, und dann entscheiden“, das sei zu seiner Devise geworden. Und aus dieser geistlichen Haltung heraus erwuchs ihm auch die Einsicht, dass es sich lohnt, auf Gottes Führung zu vertrauen. „Er ließ mich in meine Aufgaben hineinwachsen.“
Zwei junge Männer aus Delbrück, beides Messdiener und Jugendgruppenleiter, erzählten, dass es Begegnungen mit Menschen waren, die sie in der Spur des Glaubens hielten. Deren Anstöße hielten sie bei den Ministranten, als andere Altersgenossen ausstiegen. Gespräche auf der Fahrt zum Weltjugendtag führten sie in die geistliche Gemeinschaft der „Generation Benedikt“. Seither gehen sie ihr Leben bewusster an, fragen danach, was im Sinne Gottes ist.
Die atheistisch und ohne jede Kirchenberührung im Osten groß gewordene Claudia Kürbis erzählte, wie sie sich als Jugendliche für Gott und Glaube zu interessieren begann und von Freunden in die Kirche mitgenommen wurde. „Es gibt Gott!“, diese Gewissheit wuchs in ihr. Doch dauerte es Jahre, bis sie sich entscheiden konnte, diesen Glauben in der Kirche zu leben. Heute bekennt die Neugetaufte: „Meine Heimat ist die katholische Kirche!“ Sie wohnt mit Mann und Kindern in Westenholz, kennt dort aber kaum jemand. „Doch über die Pfarrgemeinde fühlen wir uns einbezogen.“ Mittlerweile kümmert sich die Informatikerin um die Homepage der Gemeinde und ist in der kfd.
Schwester Johanna von den Franziskanerinnen erzählte, wie sie mit 42 Jahren noch den Weg in einen Orden fand. Das Ehepaar Gehlhaus legte dar, wie sie ihren Familienalltag mit drei Kindern als Berufung erfahren. „Ein für alle ermutigendes Zeugnis“, so fasste Pastor Rohde am Ende den Abend zusammen.







