Seit 2001 findet in Attendorn ein gemeinsamer „Friedensweg“ von Christen und Muslimen statt
Wichtiger Schritt der Annäherung
Attendorn (bsg/jon). Den Anstoß gaben die Anschläge vom 11. September 2001 in New York: Kurz danach fand in Attendorn zum erstenmal ein gemeinsamer „Friedensweg“ von Christen und Muslimen statt, angestoßen vom Attendorner Franziskuskreis. Mit Gläubigen der anderen Religion Erfahrungen austauschen, Vorurteile ausräumen– dazu ist in Attendorn seitdem regelmäßig Gelegenheit. Diesmal wurde der Friedensweg aus organisatorischen Gründen vom Herbst auf den Januar verlegt.
Rund 40 Christen und Moslems machten sich auf den „Friedensweg“ in Attendorn. Zum Start gab es in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, dem „Sauerländer Dom“, eine Andacht. Die muslimischen Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Fotos von ihrem Besuch in der katholischen Kirche zu schießen – wie wenig später auch die Christen beim Besuch der Moschee. Doch zuvor ging es zur ehemaligen Synagoge in der Wasserstraße. Dort erzählte Helmut Hosenfeld etwas über die ehemalige jüdische Gemeinde in der Hansestadt und erinnerte an die Verbrechen der Nazis an den jüdischen Mitbürgern.
Anschließend erreichte die Gruppe die Attendorner Moschee und zum Abschluss die evangelische Erlöserkirche. Maria Griese-Schulte ist eine von den Frauen, die diesen Weg am Abend mit ihrer Familie ging: „Wir vom Franziskuskreis Attendorn haben diese Aktion damals ins Leben gerufen. Der heutige Friedensweg wurde aber vom ökumenischen Arbeitskreis vorbereitet.“ Aus dieser gemeinsamen Veranstaltung aller Religionen in Attendorn war auch ein Frauenfrühstück entstanden, das einige Jahre regelmäßig angeboten wurde, erzählt sie. „Doch das ist leider eingeschlafen. Viele Frauen, auch die muslimischen, gingen irgendwann wieder arbeiten und dann fehlte die Zeit.“
Aber Ufuk Colak, Mitglied der muslimischen Gemeinde, sieht gerade in der Aktion Friedensweg einen wichtigen, kleinen Schritt zur gegenseitigen Annäherung. Daher nimmt er sich gern die Zeit, um mitzugehen: „Heute Abend gehen wir den Weg gemeinsam und morgen sehen wir uns vielleicht in der Stadt. Dann grüßen wir uns, reden miteinander und der erste Schritt ist gemacht. Man ist sich nicht mehr fremd. Es sind die kleinen Tropfen, die den Anfang machen.“
Auch Schwester Regina, zuständig für die Seelsorge im Attendorner Krankenhaus, ist beim Friedensweg dabei. „Ich bin der Meinung, dass wir Christen hier den ersten Schritt auf die Moslems zumachen müssen. Sie sind hier fremd und wir müssen ihnen als Gastgeber begegnen“, ist sie überzeugt. „Es gibt nur einen Gott, er hat nur verschiedene Namen. Auch bei uns im Krankenhaus gibt es einen muslimischen Gebetsraum, denn nur durch Akzeptanz können wir miteinander in Frieden leben.“ Das erlebt sie auch im Beruf. „In meiner täglichen Arbeit begleite ich auch Moslems in ihrer Krankheit. In dem Moment ist die Religion egal, es zählt nur der Mensch.“
Christa Bleffgen, Mitglied des ökumenischen Arbeitskreises, der den Friedensweg vorbereitete, sagt es ganz direkt: „Nicht alle Moslems sind Terroristen. Gerade der Attendorner Moschee-Verein grenzt sich entschieden vom Terrorismus ab und zeigt sich als offen allen anderen Religionen gegenüber, was wir natürlich auch mit dieser Aktion unterstützen wollen.“ Sie und die anderen elf Mitglieder des Arbeitskreises sorgten in diesem Jahr für das gemeinsame Essen von Zwiebelkuchen, Fladenbrot, Salaten und Pudding. „Natürlich alles ohne Schweinefleisch.“
Mit dem Friedensweg wollen die Gemeinden, Christen wie Muslime, dazu beitragen, Integration und Verständigung der Religionen in Attendorn zu fördern und damit einen Beitrag zu leisten, Frieden in Attendorn zu „bauen“ – entsprechend dem Satz des Apostels Paulus „Suchet der Stadt Bestes“. Damit knüpfen die Bemühungen an die Veranstaltung „Kultur der Türkei“ an, die vor mehr als zehn Jahren in der Stadthalle Attendorn stattfand.







