Aktuelle Ausgabe
2012-20

Geseker Stiftskirche feiert 375 Jahre­ Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria Schuss“

Wie Lourdes, nur kleiner

Pfarrer Gerald Haringhaus vor dem Gnadenbild, dessen Wallfahrtsjubiläum an diesem Wochenende begangen wird.Fotos: Berbüsse
Die „Verwundung“ im Detail.

Geseke. „Aber hallo!“ Pfarrer Gerald Haringhaus ist sich da ganz sicher: „Sie können davon ausgehen, dass in dieser Pfarrei keine wichtige Entscheidung getroffen wird, ohne eine Kerze vor ihr anzuzünden.“ Die Pfarrei ist die Geseker Stiftspfarrei, und die Kerzen werden vor dem Gnadenbild „Maria Schuss“ angezündet. Bereits seit 375 Jahren kommen Gläubige zu ihr. An diesem Wochenende wird das Jubiläum nun gefeiert. Sogar der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat sein Kommen angekündigt.

von Birger Berbüsse

Viele Geseker hätten eine tiefe Verbundenheit zu dem Gnadenbild, sagt Pfarrer Haringhaus. So gehöre es zum Stadtbild, dass vor der Stiftskirche oft Fahrräder mit Einkaufstüten stünden. „Da ist dann jemand auf der Rückfahrt noch schnell zur Gottesmutter, um eine Kerze anzuzünden.“ Auch Großeltern kehrten auf Spaziergängen mit ihren Enkeln regelmäßig ein. Vielleicht nur zum kurzen Innehalten im Alltagsstress, oder aber auch für ein kleines Anliegen. Das Fürbittbuch neben „Maria Schuss“ ist jedenfalls nicht nur ziemlich dick, sondern auch ziemlich voll.
„Der Besuch und die Verehrung der Gottesmutter gehören bei uns zum Glaubensleben einfach dazu“, sagt der Geseker Seelsorger und verweist auf die samstägliche Messe um neun Uhr. Die sei mit Abstand seine bestbesuchte Werktagsmesse. Auch die 2002 eingeführten Monatswallfahrten seien mindestens genauso gut besucht wie das sonntägliche Hochamt: „Wenn da das Maria-Schuss-Lied so richtig inbrünstig geschmettert wird, kann einem schon das Herz aufgehen.“
Die Verehrung des hölzernen Gnadenbildes und die Anfänge der Wallfahrt gehen auf das Jahr 1633, also mitten in den Dreißigjährigen Krieg, zurück. Geseke war unter hessischer Besatzung und die Marienfigur stand in einem Heiligenhäuschen am Hellweg. „Am 29. Oktober hat ein hessischer Söldner auf die Figur geschossen“, weiß Pfarrer Haringhaus aus den Quellen. Die hessischen Besatzer waren Protestanten, so dass Vandalismus gegenüber katholischen Zeichen nicht selten gewesen sei. Die Kugel durchschlug den linken Arm Marias. „Aber drei Tage später war der Soldat tot“, schildert der Priester den besonderen Dreh der Geschichte. Auf Allerheiligen rief er im Fieberwahn „Heilet das Weib!“ und starb.
Das sei natürlich als deutliches Zeichen gesehen und die Figur in die Stiftskirche übertragen worden. „Und dann geschah genau das, was an allen Wallfahrtsorten passiert“, so Haringhaus weiter. Die Menschen seien mit ihren Nöten und Anliegen gekommen, es habe Berichte von Heilungen gegeben. So habe „Maria Schuss“ schnell regionale Bedeutung erlangt, und besonders im 18. Jahrhundert eine ungeheure Blüte erfahren. Von 5000 Kommunikanten an ihrem Festtage ist in den Schriften zu lesen.
Und auch heute werde der Wallfahrtsort immer noch gut besucht, sagt Gerald Haringhaus: „Alles, was es in Lourdes gibt, gibt es auch bei uns – nur kleiner.“ Zum 375-jährigen Jubiläum erwartet er aber natürlich noch mehr Zulauf.
Programm gibt es jedenfalls genug: Eine Lichterprozessionvon der Maria-Hilf-Kapelle zur Stiftskirche läutet am Samstagabend die Feierlichkeiten ein. Das Pontifikalamt am Sonntagmorgen wird dann der gebürtige Geseker Reinhard Marx halten. Auch er hat ein inniges Verhältnis zum Gnadenbild: In München steht ein Foto von „Maria Schuss“ auf seinem Schreibtisch.


24.05.2012
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