Kommentar
Wie eine griechische Tragödie

Seit 2002 engagiert sich die Bundeswehr in dem vom Bürgerkrieg und blockpolitischen Interessen hinterlassenen Afghanistan. Offiziell als „Friedensmission“ im Rahmen eines UNO-Mandats bezeichnet, war der Einsatz der Bundeswehr seit Beginn umstritten. Jüngst eskalierten die deutschen innenpolitischen Auseinandersetzungen mit dem Rücktritt des früheren Verteidigungsministers und Rücktrittsforderungen an den amtierenden.
Gerd Vieler (53) ist Chef vom Dienst des DOM
Formell hängt alles an einem von der Bundeswehr initiierten Angriff auf einige Tanklaster in Afghanistan, bei dem auch Zivilisten zu Tode gekommen sein sollen. Tatsächlich wird der Vorfall als Anlass für eine innenpolitische Grabenschlacht genommen, über die nun eventuell ein zweiter Bundesminister zu Fall kommen könnte. Dabei ist es müßig, in diesem Fall von Schuld, von Versagen zu sprechen. Vielmehr ist die Situation inzwischen so verfahren, dass eigentlich alles, was jemand tut, falsch ist und ins Verderben führt. Es ist wie in den antiken griechischen Tragodien.
Die Schwierigkeiten, die auch der amerikanische Präsdient mit dem noch stärkeren Einsatz von US-Truppen hat, zeugen für die Ausweglosigkeit der Situation. Eigentlich gibt es nur noch sinnlose Opfer.
Mit entlassenen Ministern ist das Grundproblem nicht zu lösen. Vielleicht mit der Einsicht, dass sich mit Waffen kein Frieden schaffen lässt. Eigentlich baden die jetzigen Akteure nur die betonköpfige Interessenspolitik des Kalten Krieges aus. Ähnlich wie die nachfolgende Generationen die Folgen andere Kriege zu tragen haben. Nach dem US-Abenteuer in Vietnam und anderen Stellvertreterkriegen hätten eigentlich alle wissen müssen, dass solche Einsätze ihre eigene Dynamik haben und im Fiasko enden.






