Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Wir sind getauft und Gott geweiht

Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt ist Leiter der Katholischen Landvolkshochschule „Anton Heinen“ in Hardehausen.

Unsere Taufe ist eine großartige Liebeserklärung Gottes an uns, Ausdruck seiner persönlichen Wertschätzung. 

von Konrad Schmidt 

Johannes der Täufer war ein Prophet von beeindruckender Wirkung. Der jüdische Schriftsteller Flavius Josephus erwähnt „die wunderbare Anziehungskraft“ seiner Predigt; „eine gewaltige Menschenmenge“ kam in die Jordansenke hinab (Jüd. Altertümer XVIII 5,2). Alle vier Evangelien lassen ihre „Frohbotschaft“ von und über Jesus den Christus mit Täufer-Erzählungen beginnen. Der Bußruf des Täufers schallte vom südlichen Jordan her – oberhalb des Toten Meeres – durch das biblische Land; er erfasste viele Menschen in Judäa und Jerusalem. Aber auch für Jesus ist dieser erschütternde Ruf ein Signal, Nazaret in Galiläa zu verlassen und sich einige Zeit dem Jüngerkreis des Johannes anzuschließen. Und mit Jesus kommen auch weitere aus Galiläa. Sie hatten alle von Johannes gehört und wollten mit dem Zeichen der Taufe ein neues Leben beginnen.

Die große Schar der ernsthaft Suchenden wollte sich vom alten Leben trennen und ein neues Leben beginnen. Jesus, der Heilige, der Sohn Gottes, löst bei dem Täufer eine Reaktion aus: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ In der Tat: Der Sündenvergebung bedarf Jesus nicht. Er zeigt sich vielmehr solidarisch mit uns Menschen. Er beginnt den Weg der Hingabe. Dem göttlichen Willen entsprechend soll jeder Mensch Heil und Glück finden. Jede und jeder von uns Menschen ist von Gott geliebt und angesehen.

Als vor einigen Wochen in Bielefeld-Bethel die Synode der Evangelischen Landeskirche von Westfalen tagte, lag auf dem Podium ein großes weißes Paket, geschmückt mit einer roten Schleife, ein bemerkenswerter Hingucker als Impuls zum „Jahr der Taufe 2011“. Dieses „Gottesgeschenk“ konnte gar nicht übersehen werden. Es weckte Lust zum Auspacken und regte die Neugier an, was alles enthalten sei, wenn Gott ein Geschenk macht. Wie wertvoll ist jede und jeder Getaufte für Gott! Die Taufe ist offensichtlich ein so großes Geschenk, dass das Auspacken ein ganzes Leben umfasst.

Im April 2007 haben elf Kirchen in Deutschland im Magdeburger Dom eine „Erklärung über die Taufanerkennung“ unterzeichnet. Darin heißt es: „Wer dieses Sakrament empfängt und den Glauben an Gottes Wort bejaht, wird mit Christus und zugleich mit seinem Volk aller Zeiten und Orte vereint.“ Darin stecken zwei zentrale Aussagen: Verbundenheit mit Jesus Christus und Eingliederung in die Gemeinschaft derer, die den Mut aufbringen, sich zu dem Dreifaltig-einen-Gott zu bekennen. Das schenkt die Taufe: Zugehörigkeit zu Christus und Beheimatung in seiner Kirche.

Die göttliche Stimme am Jordan gilt nicht nur Jesus; wir dürfen sie auch auf uns beziehen. „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Hören wir diese Liebeserklärung Gottes auch an uns gerichtet? „Du Kind, Du Erwachsener, Du Frau, Du Mann, an Dir habe ich Gefallen gefunden; Dich liebe ich aus reiner Gnade – ohne Vorbedingung, voraussetzungslos!“

Wir wären schlecht beraten, wenn wir unsere Wertschätzung in den Augen Gottes nicht immer wieder in uns wach hielten – zum Beispiel dankbar am Abend oder zum Jahreswechsel, aber auch beim sensiblen Annehmen von Lob und Anerkennung durch unsere Mitmenschen. Vor allem sollten wir diese Wertschätzung auch unseren Kindern und Enkelkindern nicht vorenthalten.

Die Versprechen unserer Taufe erneuern wir, indem wir singen: „Ich bin getauft und Gott geweiht durch Christi Kraft und Zeichen; das Siegel der Dreieinigkeit wird niemals von mir weichen. Gott hat mir seinen Geist geschenkt, ich bin in Christus eingesenkt und in sein Reich erhoben, um ewig ihn zu loben.“ (GL 635,1)


25.05.2012
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