Aktuelle Ausgabe
2012-20

Manfred Frigger und Uwe Wischkony: Was die Kirche aus der Missbrauchsdebatte gelernt hat

„Wir stehen aufseiten der Opfer!“

Manfred Frigger (links), Missbrauchsbeauftragter des Erzbistums Paderborn, und Uwe Wischkony (rechts), Regens des Priesterseminars, nahmen für die katholische Kirche am WDR 5 Stadtgespräch im Paderborner Hotel Aspethera teil.Foto: Schleyer

Paderborn (Schl). „Wir werden in der Priesterausbildung das Thema Missbrauchsprävention und Sexualität jetzt ständig präsent halten.“ Dies versprach Uwe Wischkony, Regens des Paderborner Priesterseminars bei einem WDR 5 Stadtgespräch, das am 21. April gesendet und im Hotel Aspethera in Paderborn aufgezeichnet wurde. Das Stadtgespräch stand unter dem Thema: „Alles wieder gut? Die Kirchen nach den Missbrauchsfällen“.  

Regens Wischkony, der die katholische Kirche auf dem Podium vertrat, gab zu, von der Missbrauchsdebatte überrascht worden zu sein. „Als wir 2010 von den ersten Fällen erfuhren, waren wir zunächst geschockt, dass so etwas bei uns möglich ist.“ Aber dann habe die katholische Kirche rasch einen Perspektivwechsel vollzogen und sich vorbehaltlos auf die Seite der Opfer gestellt. Die Fälle müssten aufgeklärt und den Opfern geholfen werden. Der Mechanismus des Schweigens sei endgültig aufgebrochen.

Manfred Frigger, seit 2003 Missbrauchsbeauftragter im Erzbistum Paderborn, wies darauf hin, dass sich erst 2010, nachdem die öffentliche Debatte losgetreten worden sei, Opfer bei ihm gemeldet hätten. Derzeit begleite er 56 Fälle und über 100 betroffene Personen. Anders als missbrauchte Heimkinder würden aber früher von Seelsorgern missbrauchte Menschen nur schwer und ungern über das Vorgefallene sprechen. Manche wollten auch keine Anzeige erstatten. Die meisten aber seien dankbar, dass ihnen in seiner Person jemand von der Kirche zuhöre und ihnen glaube. Von der Zentralstelle in Bonn werde jeder Entschädigungsantrag geprüft und den Opfern eine Entschädigung von derzeit bis zu 5000 Euro zugesprochen. Dazu übernimmt die Kirche auch die Kosten für eine Therapie der Betroffenen und ihrer Partner. Auch die Täter würden in Regress genommen, so betonte Frigger, falls sie noch lebten und ausfindig gemacht werden könnten. Eine Täter-Opfer-Versöhnung zu vermitteln, gelinge aber nur sehr selten und sei schwierig. 

Regens Wischkony führte aus, dass das Thema sexuelle Reifung in der Priesterausbildung schon länger auf der Tagesordnung stehe. Sexualität sei aber ein intimes Thema. Mit jungen Männern im Priesterseminar darüber ins Gespräch einzutreten, erfordere hohe Sensibilität. „Wir können nur ein Vertrauensverhältnis schaffen, indem unsere Studenten bereit werden über ihre Sexualität nachzudenken und sich zu öffnen.“ Es stünde einem Menschen ja nicht auf die Stirn geschrieben, dass er pädophil veranlagt sei. „Das bei jemanden zu erkennen, ist schwer“, gab Wischkony zu bedenken. Die katholische Kirche und ihre Theologen hätten aber gelernt, positiv über Sexualität zu sprechen, versicherte der Regens.


25.05.2012
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