Aktuelle Ausgabe
2012-20

Freiluft-Gottesdienste der „Kirche am See“ im Freizeitpark Körbecke erfreuen sich großer Beliebtheit

„Wir wollen zu den Menschen gehen“

Körbecke. Ein Radfahrer ändert seine Richtung, weil er sich von der Musik angesprochen fühlt, die beim Gottesdienst unter der Eiche im Freizeitpark Körbecke am Möhnesee gespielt wird. Er fährt hinüber, steigt ab, hört zu und bleibt – er ist mittendrin in der „Kirche am See“.

von Julius Kolossa

Es geht um „Sauerteig in dieser Welt“, wie in den einleitenden Worten vom Jugendliturgiekreis erklärt wird. Dabei sollen Menschen wie die für das Backen unverzichtbare Zutat wirken: ihre Eigenschaften sollen in anderen aufgehen. Beispielhaft wurden Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer, Mahatma Gandhi und Edith Stein genannt, die sich mit Zuversicht und auch Mut für ihre Ideale eingesetzt haben.

Um die 400 Besucher nahmen an diesem Gottesdienst teil, darunter viele Familien, aber auch eine Jugendgruppe aus Hamm, die ein Wochenende in der Jugendherberge verbrachte. Zelebrant war Monsignore Pastor Ullrich Auffenberg, der Mut machte, „durch seine Fähigkeiten das Leben in der Gemeinde aufzulockern, und sich zu trauen, neue Wege zu gehen“. Im Wechsel mit Father Thomas Barungi, Pater Willi Heck (CSsR) und Dechant Dr. Gerhard Best leitet er die wöchentlich stattfindende Messfeier seit dem 8. Mai. An jedem Sonntag um 11 Uhr (bis zum 2. Oktober) treffen sich dann Jung und Alt, um unter der 300 Jahre alten Eiche bei jedem Wetter mitten in der Natur einen am Leben orientierten Gottesdienst zu feiern. 

Dabei wurde bewusst der Freizeitpark gewählt: auf der großen Wiese neben der Eiche wird Golf gespielt, Radfahrer und Jogger drehen ihre Runden, Spaziergänger gehen vorbei, und auf dem Möhnesee lassen sich Segler vom Wind die Richtung zeigen. „Wir wollen zu den Menschen gehen, wo sie ihre Freizeit verbringen“, stellte Pastor Auffenberg nach der Messfeier fest, die von der Umgebung lebte. Diese Atmosphäre genoss auch ein Besucher aus Wickede: „Ich bin schon mehrmals hier gewesen, und komme auch demnächst wieder.“ Auch er steht noch mit anderen Gottesdienstbesuchern zusammen, und hört den Jugend-lichen zu, die weiterhin moderne Kirchenlieder singen. „Das Keyboard steht jeden Sonntag hier“, so Pastor Auffenberg. 

Mehrere hundert Menschen besuchen sonntags die „Kirche am See“ – und Platz ist für jeden weiteren, der kommen will. Pastor Auffenberg: „Hier begegnen sich Menschen außerhalb der sakralen Räume, in denen sie nicht eingeengt sind.“ Beim nächsten Gottesdienst am Sonntag, 31. Juli, steht die Flüchtlingskatastrophe in Ost-Afrika im Mittelpunkt. Die Themen sind vielfältig, umgesetzt werden sie von einem 70-köpfigen Vorbereitungsteam. 

Auch der Radfahrer verweilt noch etwas, dann setzt er seine Tour fort. Am anderen Ende der Freizeitanlage blickt er noch einmal zurück, zur „Kirche am See“.


25.05.2012
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