Neues Buch beleuchtet Wandel der Bestattungskultur in Hamm vom Mittelalter bis zur Gegenwart
Wissenswertes über „Die letzte Reise“
Hamm. Der Titel „Die letzte Reise“ weckt die Neugierde. Ist es die Geschichte eines Pilgers, Wanderers, Pioniers oder gar eines Abenteurers? Erst der Untertitel verrät mehr. Die Assoziation an die Geschichte eines Pilgers führt aber schon auf den richtigen Weg, nimmt man das Lied aus dem Gotteslob Nr. 656 dazu: „Wir sind nur Gast (Pilger) auf Erden, und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu …“
von Elisabeth Plamper
Inspiriert durch ihren Beruf als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Stadt- und Regionalgeschichte im Gustav-Lübcke-Museum begab sich Dr. Maria Perrefort mit fünf weiteren Co-Autoren auf Spurensuche und erforschte die Bestattungsriten in der Lippestadt. So entstand schließlich ein Abriss der Historie rund um Abschied, Trauer und Begräbniszeremonien vor den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Hintergründen.
„Die letzte Reise“ beginnt im Mittelalter. In ihrem Aufsatz beschreibt Susanne Birker M.A., Archäologin für Vor- und Frühgeschichte am Gustav-Lübcke-Museum, die Bestattungsform in Baumsärgen. Diese wurden in Heessen, Bockum-Hövel und Rhynern unter den alten Kirchengebäuden gefunden. Das Spannende: einer dieser Särge ist mit dem fast gänzlich erhaltenen Skelett des Verstorbenen im Gustav-Lübke-Museum in der Archäologischen Ausstellung zu sehen.
Dr. Maria Perrefort widmete ihren Part den Konflikten, die sich bei der Anlegung des ältesten, noch erhaltenen Friedhofs in Hamm an der Ostenallee im Jahr 1800 auftaten. Im 19. Jahrhundert wurden dann alte Kirchhöfe widerstrebend aufgegeben und neue Friedhöfe angelegt. Soldatenfriedhöfe stellt Dipl.-Ing. Günter Wiesendahl, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege Olpe, (LWL-Archäologie für Westfalen) in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.
Wann und wie es zur Einrichtung nicht-kirchlicher, kommunaler Friedhöfe kam, schildert der Landschaftsarchitekt und Dipl.-Ing. Markus Klüppel. Wegen ihrer Gestaltung und Historie gesondert betrachtet werden der Freidenkerfriedhof sowie der Südenfriedhof mit über 1200 Kriegsgräberstätten und dem muslimischen Grabfeld.
Eine aktuelle Bestattungsform in der heutigen Zeit, die immer mehr Zuspruch findet, ist ein Begräbnis in einem sogenannten Bestattungshain. Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Barbara Happe beschreibt in ihrem Beitrag zum Buch die Entstehung eines solchen Hains auf dem Kommunalfriedhof an der Birkenallee.
„Die letzte Reise“ ist ein Buch, das die Themen rund um Tod, Trauer und Bestattung von allgemeinen Vorbehalten geschickt loslöst und dem Leser auf anschauliche und verständliche Weise nahe bringt.







