Neue Art von Gebetsgottesdienst mit Studenten der Universität im Paderborner Michaelskloster
Wo junge Menschen bleiben und beten
Paderborn. Beginn ist erst um 19 Uhr, doch schon eine halbe Stunde vorher dringen Gitarrenmusik und Gesang hinaus auf die Straße. In der Kapelle des Michaelsklosters üben fünf Männer und Frauen für ein neues Gebetsangebot für junge Menschen: „Stay and Pray“ (Bleiben und Beten) heißt das und findet einmal im Monat statt.
von Birger Berbüsse
Gedämpftes Licht und vier Kerzen auf dem Altar sorgen in der kleinen Kapelle für eine beruhigende Atmosphäre. Durch den hohen Raum klingen fröhliche Lieder mit deutschen Gebetstexten. Und noch während der Probe kommen immer mehr Stimmen hinzu. Um 19 Uhr sind dann etwas über 20 junge Menschen, vorwiegend Studentinnen, in der Kapelle versammelt. Es ist Anfang Februar und erst das zweite Mal, dass „Stay and Pray“ stattfindet – aber schon hat sich die Zahl der Teilnehmer erhöht.
Begonnen hat das Projekt im Oktober, erinnert sich Andrea Keinath. Sie ist Mentoratsbeauftragte im Generalvikariat und für die Lehramtsstudenten der katholischen Theologie verantwortlich. „Einige Studentinnen hatten an einem Jugendforum teilgenommen und waren ganz begeistert von den Gebetsformen, die sie dort kennengelernt hatten“, schildert sie das Anliegen, mit dem die jungen Frauen zu ihr kamen: Sie wollten so etwas auch in Paderborn. Da traf es sich gut, dass Andrea Keinath und ihr Mann Philippe zur Gemeinschaft Emmanuel gehören, eine neue geistliche Gemeinschaft für Jugendliche und junge Erwachsene. „Wir wollten etwas anbieten, das eine Pause vom (Uni-)Alltag bietet, etwas für den persönlichen Glauben bringt und wo man buchstäblich auftanken kann“, sagt Andrea Keinath. Gemeinsam überlegte man, den Schwerpunkt auf die Musik zu setzen, und zwar auf Loblieder: „Von den neuen geistlichen Liedern kann man sich mitnehmen lassen in ein einfaches Sprechen mit Gott“, begründet Keinath. Und mit dem Michaelskloster fand man dafür auch den richtigen Ort: „Es hat genau die richtige Größe, liegt zentral in Paderborn – und die Schwestern freuen sich sehr darüber“, so Keinath.
So ist auch an diesem Abend eine der Schwestern unter den versammelten Gläubigen. Diese werden zunächst von Phi-lippe Keinath und Eva-Maria Leifeld begrüßt. Beide erläutern noch einmal für die Neuhinzugekommenen die Hintergründe. Die Studentin Leifeld gehört zu den Initiatoren des Projektes. Sie erklärt die Bedeutung des Lobpreises: „Das sind vertonte Gebete, die mich auf Gott schauen und erkennen lassen, dass ich immer zu ihm kommen kann!“ Und so singen alle im ersten Lied des Abends auch folgerichtig: „Voll Freude sing ich mein Lied für dich in jedem Augenblick.“ Saßen die Versammelten eben noch etwas schüchtern weit verstreut in den Bänken, so stehen sie nun alle vorne vor dem Altar, den Blick auf das Kreuz und Tabernakel gerichtet. Fast eine halbe Stunde lang singen sie, unterbrochen von einzelnen kurzen freien Gebeten.
Im Mittelteil kommt dann der Impuls. Hier blickt Andrea Keinath auf das Leben von Mutter Teresa, die sich bei allem, was sie tat, auf Gebete gestützt hat: „Versuchen wir, uns davon inspirieren zu lassen!“ Zum Schluss setzt die anwesende Schwester das Allerheiligste aus und alle verharren zehn Minuten im stillen Gebet. Nachdem dann um kurz nach 20 Uhr der letzte Klang des letzten Gebetes verklungen ist, ist immer noch nicht Schluss. Die Studenten sitzen noch zusammen, sprechen über ihren Glauben, ihre Erfahrungen. Getreu dem Motto: „Bleiben und beten.“







