Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Wo sich Glaube und Leben verbinden

Helga Gotthard ist ehrenamtliches Mitglied im CKD-Diözesanvorstand mit Meditationserfahrung.

In der Nachfolge Jesu braucht es die beiden Pole Meditation und Aktion, die Liebe zu Gott und zum Nächsten. 

von Helga Gotthard 

Das wäre gut, wenn uns jemand, wenn uns Gott so deutlich rufen würde: „Komm her, folge mir nach!“ Dann wäre es ganz einfach, zu glauben und danach auch zu leben. Am besten wäre es noch, wenn er ganz deutlich sagen würde, wie das geht. Vor uns steht aber oft „nur“ ein ganz normaler Mensch. Und dieser Mensch sagt: „Mir geht’s schlecht, kannst du mir helfen?“ Und dann wird es mühsam. Ich muss raus aus meinem gewohnten Ablauf, weg von meinem See, weg von meinen Netzen.

Bei mir fing es damit an, dass der Diakon in unserer Gemeinde mich gefragt hat, ob ich nicht in der Caritas-Konferenz mitarbeiten möchte. Ich habe ähnlich wie Jona reagiert. Der hat versucht, auf die Anfrage Gottes hin fortzulaufen. Auch ich habe zunächst einmal abwehrend reagiert und nach Ausreden gesucht. Dann ist es mir ergangen wie vielen Ehrenamtlichen. Ich wurde überredet mit dem Satz: Nur der Besuchsdienst „in einer kleinen Straße“. Auch Jesus lässt dem Satz: „Kommt her, folgt mir nach!“ eine Aufgabenbeschreibung folgen: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“

Nach 16 Jahren ehrenamtlichen karitativen Engagements weiß ich heute, dass das das Beste war, was mir passieren konnte. Es macht einfach Freude, sich für andere einzusetzen und ihnen zu helfen. Ich bin davon überzeugt, dass man gerade an der Freude erkennen kann, ob es das ist, was Gott mit mir vorhat. Was wäre eine Hilfe wert, wenn sie mit einem griesgrämigen Herzen gegeben würde? Damit will ich nicht sagen, dass es auch im Ehrenamt immer wieder Situationen gibt, die schwierig sind und die durchgestanden werden müssen. Aber die Grundtendenz sollte die Freude an der Aufgabe sein. Dies kann ich besonders in Gemeinschaft erfahren. Wir sind keine Einzelkämpfer, sondern stützen und stärken uns bei unserer ehrenamtlichen Arbeit. Jesus sucht sich Menschen aus, jeweils zwei Brüder,  die auch in ihrem bisherigen Leben schon zusammen etwas getan haben, die zusammen an einer Sache arbeiten. Es ist einfacher, zusammen wegzugehen und zusammen etwas Neues zu beginnen. Am Leben der Apostel kann man erkennen, dass sie den Ruf Jesu nicht in Zweifel gezogen haben. Sie haben ihre Berufung gefunden und sich konsequent daran ausgerichtet. Auch bei Jona hat es sich gelohnt, auf den Ruf Gottes zu hören. Die Bewohner bekehren sich zu Gott und sind gerettet. 

Zweifelsohne haben wir es heute oft schwer, die Stimme Gottes zu hören, weil unsere Welt voller Stimmen, Verlockungen und Oberflächlichkeiten ist. Mir hilft es dann, in die Stille zu gehen. Mich nicht zudröhnen zu lassen von all dem Lärm, sondern darauf zu lauschen, was in mir vorgeht. Das ist nicht immer einfach, aber nur so kann ich erkennen, wo und wie ich umkehren kann. Nur so erreicht mich die Frohe Botschaft Gottes. In der Stille kann ich mein Vertrauen ganz auf Gott ausrichten, sodass es nicht allein an mir liegt, ob eine helfende Beziehung gelingt. Ich darf darauf vertrauen, ich bin nicht allein, ER ist da. Daraus erwächst dann die Kraft, immer wieder einen neuen Anfang zu suchen und wieder neu zu beginnen. Caritas und Meditation, das sind für mich zwei Pole, zwischen denen sich mein Glaube und mein Leben verbinden und zu einem Ganzen werden. 

Die Dichterin Mascha Kaléko sagt es in einem ihrer Gedichte so:

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:

Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.

An solchem Tag erklettert man die Leiter,

Die von der Erde in den Himmel führt.

Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,

– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.

 

 


25.05.2012
Impressum | Kontakt
4002