Gedanken zum Evangelium
Wort an Wort
Jesus macht uns mit dem Gleichnis vom Sämann und von der Saat Mut zu Vertrauen und Gelassenheit.
von Diether Wegener
Wir wohnen
Wort an Wort
Sag mir
dein liebstes
Freund
meines heißt
DU
Nicht immer ist uns die Macht des Wortes bewusst. Oft genügt ein einziges Wort, um das Herz eines Menschen zu treffen. Worte können verletzen, entzweien, ängstigen, entmutigen. Sie können aber auch das Gegenteil bewirken. Wer etwas Wichtiges sagen möchte, weiß, dass Worte wirkungsvoller sind, wenn sie innere Bilder erzeugen und gleichsam „mit den Ohren gesehen“ werden können.
Die Bilder, die Jesus in seiner Rede benutzt, sind den Menschen der damaligen Zeit vertraut. Sie stammen aus der Welt der Landwirtschaft. Man muss von Ackerbau und Viehzucht nicht viel verstehen, um sich zu fragen, ob der Sämann im Gleichnis überhaupt planmäßig vorgegangen ist. Hätte er sich nicht im Vorfeld fragen müssen, ob sich Mühe und Einsatz lohnen? Hätte er nicht achtgeben müssen, wohin er die Saat ausstreut? Wir hätten vermutlich anders gehandelt. Wir hätten eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt, die Erfolgsaussichten des Unterfangens abgewogen und daraus Konsequenzen gezogen.
Die Frage, ob sich der Aufwand und der Einsatz lohnen, stellen wir uns des öfteren. In Zeiten, in denen sich immer weniger Menschen für kirchliche Angebote zu interessieren scheinen, macht sich unterschwellig eine gewisse Lethargie bemerkbar. Viele fragen sich, wo der gute Boden zu finden ist, der reiche Frucht hervorbringen soll. Die Fragen sind nicht neu. Sie beschäftigten die christliche Gemeinschaft schon in früheren Zeiten. Natürlich möchte jeder gern sehen, dass seine Bemühungen erfolgreich sind. Niemand möchte das Gefühl haben, sich umsonst abgemüht zu haben. Gute Bilanzen und Kursgewinne zählen etwas in unserer Gesellschaft und wirken sich auf unsere Einstellung und Befindlichkeit aus.
Auch im Umfeld von Jesus machte man die Erfahrung, dass die Botschaft vom Leben spendenden Gott nicht bei allen auf Resonanz stieß. Jesus erzählt das Gleichnis darum wohl auch, um dem Missmut und der Resignation, die sich breitzumachen drohen, vorzubeugen. Er weiß, dass Resignation und Selbstmitleid „schlechte Ratgeber“ sind, unglücklich machen und lähmen. Er weiß, dass Vertrauen und Gelassenheit helfen, dass sich heilsame Lebensprozesse entwickeln und entfalten können. – Ja, es gibt Saatgut, das verloren geht, das erstickt und nicht aufgeht. Ja, es gibt Menschen, die ruhelos und oberflächlich leben und die nicht bereit zu sein scheinen, in die Tiefe zu gehen und sich auf die Botschaft Jesu einzulassen.
„Erfolg ist keiner der Namen Gottes“, hat Martin Buber einmal gesagt. Trotz aller scheinbaren Misserfolge gibt es auch noch den „guten Boden“, der Frucht hervorbringt. Ja, noch immer gibt es Menschen, die neugierig und offen sind auf einen Sinn stiftenden göttlichen Urgrund hin. Und es sind nicht wenige.
Im Hinblick auf die Wirkung seiner Botschaft geht von Jesus eine schier unglaubliche Gelassenheit aus. Im Gleichnis gibt er uns zu verstehen, dass wir einen langen Atem brauchen, Geduld und vor allem Vertrauen. Deshalb möchte er uns vor überzogenen Erwartungen bewahren. Es ist im Leben nicht alles planbar, machbar und verfügbar. Nicht alles kann und muss gelingen. Wir dürfen uns freuen, dass vieles gelungen ist und dass sich nach wie vor vieles bewegt und zum Guten verändert. Der Geist Gottes weht, wo er will. In den Samenkörnern, die auf Hoffnung ausgestreut werden, schlummern sowohl die Möglichkeiten des Erfolgs als auch die des Scheiterns.
Es ist nicht überliefert, welchen Gesichtsausdruck Jesus beim Erzählen des Gleichnisses hatte. Für mich steht fest, dass er gelächelt hat. Lächeln befreit und öffnet das Herz. Ich glaube, dass der Heilige Geist in uns und mit uns lächeln möchte. Lassen Sie uns darum zuversichtlich und gelassen in die Zukunft blicken.
Das Gedicht am Anfang stammt aus: Rose Ausländer, Im Ascheregen die Spur deines Namens. Gedichte und Prosa, 1976. Gesammelte Werke Bd. IV., Fischer Verlag, Frankfurt 1984, Seite 115.







