Teilnehmer der Aktion „Oststadt in Harmonie“ spannen eine Flagge als Zeichen gegen rechte Gewalt
Zeichen für den Frieden
Dortmund. „Schön, dass so viele Teilnehmer gekommen sind“, freut sich Marcel Pier und begrüßt die etwa 45 Gemeindemitglieder, die sich auf dem Kirchplatz der Bonifatiuskirche Dortmund-Mitte versammelt haben. Die Gemeinde ist einer von vielen Teilnehmern bei der Aktion „Oststadt in Harmonie“, einer Aktion des Dortmunder Stadtbezirks Innenstadt-Ost.
von Anna Petri
Als Antwort auf die in der Dortmunder Nordstadt stattfindenden Kundgebungen der Neonazis wollen zahlreiche Einrichtungen aus dem Stadtbezirk Innenstadt-Ost ein Zeichen gegen rechte Gewalt und für ein friedliches Miteinander setzen. „Im Rahmen der gemeinsamen Aktion „Flagge zeigen“ soll eine etwa fünf Kilometer lange Flagge von der Saarlandstraße bis nach Dortmund-Körne gespannt werden“, berichtet Marcel Pier, Leiter der offenen Jugendarbeit der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius.
Im Vorfeld hatten sich Kirchengemeinden, Kindergärten, Schulen und Vereine aus dem Stadtbezirk an den Vorbereitungen zu der Aktion beteiligt und über 12000 DIN-A4-Blätter mit Bildern bemalt, die Ausdruck für Frieden und Toleranz sein sollen. „Diese Bilder wurden von Honorarkräften der Stadt Dortmund zusammengefügt und sollen heute zu einer langen Flagge zusammengeknüpft werden“, erklärt der Jugendleiter. „Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Projekt solchen Zuspruch findet“, freut sich Pier, als die Gruppe zum ersten Streckenabschnitt an der Saarlandstraße aufbricht. Dabei wird sie vom Bläserchor der Gemeinde mit dem Lied „Großer Gott wir loben Dich“ verabschiedet. „Wir wollen durch diese Aktion demonstrieren, dass in unserem Stadtbezirk kein Platz für Gewalt und Intoleranz ist“, sagt eine Teilnehmerin.
Kurze Zeit später ist die Gruppe um Marcel Pier an der Saarlandstraße angekommen. Er verteilt die einzelnen Flaggenteile an die Helfer und erklärt ihnen, an welchem Streckenabschnitt sie die Flagge hochhalten. Einige Passanten, die im Vorbeigehen auf die Aktion aufmerksam werden, sprechen ihn an und bieten sich an, ebenfalls ein Stück der Flagge hochzuhalten. „Für mich ist es ganz wichtig, Stellung zu beziehen“, sagt eine Teilnehmerin. „Jeder, der auch nur einen kleinen Beitrag leistet, hilft mit, ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen. Gerade wir als Kirchengemeinde stehen in der Verantwortung uns nicht abzugrenzen und zu zeigen, dass wir daran Anteil nehmen.“ Eine andere fügt hinzu: „Ich mache hier mit, um zu zeigen, dass wir in diesem Viertel gut miteinander leben können. Obwohl gestern Abend die Neonazis hier durch die Oststadt marschiert sind, stehen wir heute hier und zeigen, dass wir ganz und gar nicht damit einverstanden sind.“
Marcel Pier berichtet erfreut, dass die Bonifatiusgemeinde ihren Abschnitt komplett ausgefüllt habe. Über einen Kilometer in südlicher Richtung wehe die Flagge und die nächste Anschlussstelle sei auch besetzt, habe ihm eine Kollegin von der benachbarten Paul-Gerhardt-Gemeinde berichtet, die sich ebenfalls am Projekt beteilige. Auch von weiteren Einrichtungen ist zu hören, dass sie ihre Abschnitte ausgefüllt haben.
Sichtlich zufrieden bedankt sich Marcel Pier bei den Teilnehmern für die gelungene Aktion. Die Flaggen der Bonifatiusgemeinde möchte er wieder mit zurücknehmen. „Ich möchte die Flagge gern vom großen Kirchturm der Bonifatiuskirche zum Gemeindehaus spannen“, erklärt er.







