Aktuelle Ausgabe
2012-20

Talkshow der „Jungen Kirche“ im Dekanat Hagen-Witten hatte einen prominenten Gast

„Zimmer frei“ für den Erzbischof

Mit Erzbischof Becker am Küchentisch: Keine Antwort blieb das Bistumsoberhaupt Eva Mehrens und Markus Erhardt bei der Talk­runde schuldig. Foto: Piela

Hagen-Witten. Einen Bischof „zum Anfassen“ erlebten rund 400 junge Leute in der St.-Meinolf-Kirche in Hagen in der Boeler Straße. Die „Junge Kirche“ aus dem Pastoralverbund Hagen-Mitte und dem Dekanat Hagen-Witten hatte Erzbischof Hans-Josef Becker zur Talk-Show „frei nach der WDR-Sendung: Zimmer frei“ eingeladen.

von Ingrid Piela

Da saß nun der Erzbischof am Küchentisch einer fingierten Wohngemeinschaft (WG) und stand Eva Mehrens, Gemeindereferentin aus Witten-Ost, und Markus Erhardt, Gemeindereferent aus Hagen-Mitte, Rede und Antwort. Mit großer Schlagfertigkeit und viel Humor verblüffte und beeindruckte das Bistumsoberhaupt so manchen Gast.
Wie in der gleichnamigen Fernsehshow bekam Hans-Josef Becker einen Fragebogen vorgelegt, eine Home-Story über sein „Erzbischöfliches Palais“ wurde auf der großen Leinwand gezeigt und das Ergebnis einer Straßenumfrage zu seinem Bekanntheitsgrad präsentiert. Nur essen wollte der Bischof nicht am Küchentisch in der Kirche. Auf die Frage „Weshalb nicht?“ antwortete er: „Die Kirche ist für mich etwas Besonderes und der Altar ist keine Theke. Da kann man keinen Hot Dog essen.“
Um zu testen, ob der Bischof in die WG passt, musste er einiges an Fragen, Spielen und Aufgaben über sich ergehen lassen. Eva Mehrens: „Wie halten Sie das große Haus sauber? Staubsaugen Sie auch ab und zu?“ Der Bischof ohne zu zögern: „Da bin ich nicht so scharf drauf.“ Sein Lieblingszimmer ist sein Arbeitszimmer. Viele Besprechungen finden dort statt und viele Gäste empfängt er dort. Er hat sogar eine Privat-Kapelle, in die er sich in der Stille zum Gebet zurückzieht: „Da möchte ich nicht beobachtet werden“.
Markus Erhardt ließ den Erzbischof einen Einkaufskorb aufteilen, je nachdem, ob er das Produkt lecker oder nicht appetitlich finde. Da kam es raus: Der Bischof mag keinen Quark. Linsensuppe dagegen mag er sehr, aber zum Müsli stellte er trocken fest: „Wenn ich Müsli essen sollte, hätte mir der Schöpfer einen Schnabel wachsen lassen.“ Das junge Publikum bedankte sich für den lockeren Ton des Erzbischofs mit Lachen und Applaus. Immer wieder verriet Hans-Josef Becker auch Dinge aus seinem Privatleben. So führten ihn seine letzten Urlaube nach Südnorwegen und Spitzbergen. Er trage dort gerne legere Freizeitkleidung und habe viele Bücher im Gepäck, die er oft aber ungelesen wieder mit nach Hause nehme.
Mit großem Eifer war der Erzbischof bei der Sache an diesem Abend in der St.-Meinolf-Kirche und zog sich ohne zu zögern eine schwarzrotgoldene Blumengirlande über und tauschte die Brille mit einer Sonnenbrille für einen kleinen „Kurzurlaub“. Dechant Dieter Osthus hielt per Videobotschaft die obligatorische „Zimmer-Frei-Lobhudelei“ und bescheinigte dem Bistumsoberhaupt „Menschlichkeit“ und die Eigenschaft „zuhören zu können“.
Er habe ein Ohr für die Sorgen der Menschen und: „Er ist ein Mensch, der trotz seines Amtes der Hans-Josef Becker geblieben ist.“ Mit seinem donnernden Applaus stimmte das junge Publikum dem voll zu.


25.05.2012
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