Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mit DORIS stellt das Erzbistum sein gesamtes Finanzmanagment auf doppelte Buchführung um.

Zukünftigen Aufgabenstellungen und Anforderungen gerecht werden

Diplom-Kaufmann Georg Mohr ist Geschäftsfeldleiter Kirchen bei der arf Gesellschaft für Organisationsentwicklung mbH und externer Projektleiter in dem Projekt „DORIS“. Nach einer Banklehre und anschließenden BWL-Studium arbeitete er in einer Hypothekenbank. Seit 1992 ist er Berater, Trainer und Coach in kirchlichen und kommunalen Projekten.

DORIS steht vor der Tür: Hinter diesem Namen verbirgt sich allerdings kein Besuch, sondern das „Doppische Rechnungs- und Informationssystem“. Zum 1. Januar 2009 wird das neue Finanzmanagement im Erzbistum Paderborn eingeführt. Doppik, die „doppelte Buchführung in Konten“, auf der das neue System basiert, bedeutet für die Kirchengemeinden eine komplette Umstellung ihres bisherigen Buchhaltungssystems. Georg Mohr von der Firma arf, die die Umstellung im Erzbistum begleitet hat, erläutert in seinem Gastartikel die Grundlagen und Vorzüge des neuen Systems.

von Georg Mohr

Das Erzbistum Paderborn befindet sich mit seiner Entscheidung, ein neues kirchliches Finanzwesen auf der Basis der kommunalen Doppik einzuführen, in einem Prozess, der derzeit sowohl auf kommunaler als auch auf kirchlicher Ebene dem aktuellen Trend entspricht. Dies ist aber nicht der Grund für die Einführung. Die langfristige absehbare Entwicklung der kirchlichen Finanzen, insbesondere aufgrund des demografischen Wandels, erfordert eine neue Haushaltssteuerung.
Folgende Punkte sprechen für ein doppisches Haushalts- und Rechnungswesen, da ein kamerales System dies nicht leisten kann: Es ermöglicht die Darstellung des Ressourcenverbrauchs bzw. Werteverzehrs (und nicht nur des Geldverzehrs), insbesondere durch den Ausweis von Abschreibungen und Rückstellungen und den Ausweis der Vermögenswerte sowie des Eigenkapitals, den Haushaltsausgleich aufgrund von Erträgen und Aufwendungen und eine neue HH-Strukturierung auf der Basis von Kostenstellen zum Ausweis von Teilergebnissen. Folgende Ziele werden letztendlich mit dem neuen Rechnungswesen verfolgt: eine gesteigerte Transparenz in der Darstellung der Verwendung der Kirchensteuermittel, die exakteren Wirtschaftlichkeitsdaten als Grundlage für Entscheidungen, insbesondere auch bei Vermögensanlagen und die Schaffung von verbesserten Möglichkeiten der operativen Steuerung auf Kirchengemeindeebene.
Verblüffend dazu ist, dass die Anforderung der Vermögenssicherung und somit der Darstellung des Vermögens schon im Can. 1284 des Codex Iuris Canonici (CIC) dokumentiert ist, jedoch im kameralen System nie umgesetzt wurde. Dabei ist das neue Finanzwesen kein Selbstzweck, sondern die handelnden Menschen und letztendlich die Kirchenvorstände sollen in die Lage versetzt werden, in (finanziell) schwierigeren Zeiten bessere Entscheidungsgrundlagen zu erhalten. Dies trifft für alle Phasen eines Entscheidungsprozesses zu: die Planung, die Umsetzung und die Kontrolle.
Somit wird die Entscheidungsqualität gesteigert werden können, da die ehrenamtlichen Kirchenvorstände genauere Kenntnis über die Effektivität („Die richtigen Dinge tun“) und Effizienz („Die Dinge richtig tun“) ihrer entschiedenen Maßnahmen erhalten.
Damit sollen die Kirchenvorstände in die Lage versetzt werden, neben den finanziellen Fragestellungen sich noch mehr den inhaltlichen Themen zu widmen, damit zum Beispiel wieder neue Kirchenmitglieder gewonnen bzw. zurückgewonnen werden können.
Dadurch kann es gelingen, die Arbeit für die Gemeindemitglieder wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen und die Finanzen als notwendige Handlungsrahmen dabei stetig präsent zu haben.
„Kirche“ wird sicherlich kein Wirtschaftsunternehmen werden! Allerdings ist sie heute in Zeiten knapper Ressourcen (noch mehr) gezwungen, wirtschaftlich zu denken und zu handeln! Mit dem neuen kirchlichen Finanzwesen ist damit ein erster Baustein gelegt.
Allerdings zeigt es sich nach der jetzt zurückgelegten Wegstrecke in dem Projekt „DORIS“ aber auch, dass das Projekt nicht nur die Einführung eines neuen Buchungsstils oder einer neuen Finanzsoftware bedeutet, sondern dass sich die Organisationen auf einen Organisationsentwicklungsprozess begeben haben. Dies zeigt sich sowohl an erforderlichen strukturellen Veränderungen in der Aufbau- und Ablauforganisation, als auch in den zukünftigen Anforderungen der handelnden Menschen.
Diese bekommen jetzt die Chance, ihre fachlichen, methodischen, sozialen und persönlichen Kompetenzen so zu erweitern, dass sie den zukünftigen Anforderungen an ihre jeweiligen Aufgabenerledigung auch gerecht werden können.
Dies ist ein längerer Weg als nur die Einführung der Doppik, sodass hierzu insbesondere Mut, Geduld und Nachhaltigkeit an den Tag gelegt werden müssen, damit dieser Prozess zu einem guten Ende führt.


25.05.2012
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