Erzbischof Hans-Josef Becker wird am kommenden Samstag Carsten Adolfs, Jörg Heinemann und Markus Püttmann zu Priestern weihen. Hier stellen sich die drei neuen Priester nun selbst vor.
Zum Dienst berufen
Carsten Adolfs schildert seine Berufungsgeschichte:
„Wer Licht in die Welt bringen will, wird Elektriker – oder Priester!“ Dass dieser Slogan einmal auf mich zutreffen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Im katholischen Brilon im Sauerland geboren und aufgewachsen, interessierte ich mich schon recht früh für viele Dinge, die es in der Kirche zu entdecken gab.
Gleich nach meiner Erstkommunion wurde ich Messdiener, später Lektor und Küster. Besonders fasziniert und ergriffen war und bin ich von den jährlich stattfindenden Gebetstagen vor Aschermittwoch, die mich der Kirche näher gebracht und mein Leben geprägt haben.
Jedes mal, wenn zum Abschluss dieser Tage das große „Te Deum“ angestimmt wird, bin ich innerlich so angerührt, dass es mir manchmal sogar schwer fällt, weiter mitzusingen. Dieses große Geheimnis unseres Glaubens gegenwärtig in dem kleinen Stückchen Brot in der Monstranz – nahezu unfassbar!
Im Rückblick kann ich heute sagen, dass es diese Erlebnisse waren und sind, die mich den Ruf Gottes haben verstehen und die mich sagen lassen: „Hier bin ich!“
Zum Ende meiner Schulzeit wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, mich für einen Beruf in der Kirche zu entscheiden, schon gar nicht für den des Priesters! So entschloss ich mich zunächst für eine Ausbildung zum Energieelektroniker. Doch bereits während des folgenden Zivildienstes in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung erkannte ich, dass es die Arbeit mit Menschen und weniger mit technischen Prozessen war, die viel eher meinen Vorstellungen entsprach. Ich war sicher: Hier ist dein Platz, hier will ER dich haben. Doch die Frage wurde immer drängender: Habe ich Gottes Ruf wirklich richtig verstanden?
Bei einem Berufungstreffen im Priesterseminar hörte ich von ‚Ruf!Punkten’, kleinen Gruppen, die es auch heute noch in einigen Gemeinden unseres Erzbistums gibt. Einer solchen Berufungsgruppe schloss ich mich dann auch an.
Gemeinsam übten wir uns dort darin, genauer auf das Wort zu hören und IHN besser zu verstehen. Wollte Gott mich als Priester haben? Sollte ich eine gesicherte Existenz aufgeben und mich auf einen mir bis dahin noch unbekannten Weg aufmachen und Priester werden? Diese Fragen beschäftigten mich in der kommenden Zeit. Ich war total unsicher.
Das Psalmwort „Du Herr zeigst mir den Pfad zum Leben“ (Ps 16,11) sollte der Auslöser für einen Richtungswechsel sein. Ich spürte: Wenn du ganz auf Gott vertraust, kannst du dich auf diese Wagnis beruhigt einlassen und den Schritt tun, denn ER wird dir den Weg weisen.
In diesem Vertrauen absolvierte ich von 2004 bis 2008 mein Theologiestudium auf Burg Lantershofen, einem interdiözesanen Seminar zur Priesterausbildung an der Ahr. Ich kann mich an zwei Gegebenheiten erinnern, die mich während der Studienzeit haben zweifeln und fragen lassen: Ist das wirklich dein Weg?
Zum Glück hatte ich gute Freunde und Wegbegleiter an meiner Seite, die mir in diesen Zeiten der Unsicherheit geholfen haben. So konnte ich im Herbst 2008 nach erfolgreichem Abschluss des Studiums in das Priesterseminar in Paderborn eintreten, wo ich mich gemeinsam mit zwei Mitbrüdern auf den Empfang der Priesterweihe vorbereite.
Auf den Dienst als Priester freue ich mich schon sehr. In Zeiten des Wandels und des Aufbruchs möchte ich versuchen, dem eingangs zitierten Slogan gerecht zu werden: Licht in die Welt bringen und Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen, helfen, ihren Weg mit Gott zu gehen und einen Platz in seiner Kirche zu finden.
Erste gute „Licht-Erfahrungen“ durfte ich bereits im Pastoralverbund Kamen-Kaiserau machen, wo ich als Diakon eingesetzt war. Möge der Funke auf möglichst viele Menschen überspringen!
Wegmarken von Jörg Heinemann:
„Gott gibt es nicht und falls doch hat er jedenfalls nichts mit uns zu tun!“
Diese und ähnliche Aussagen einiger Mitstudenten haben mich – so komisch es klingt – auf meinen Weg ins Priesterseminar gebracht. Sie haben in mir einen seltsamen Widerstand ausgelöst. Ich war mir sicher: Natürlich spielt Gott für unser Leben hier eine Rolle. Natürlich kann man auch etwas über ihn wissen oder doch zumindest verbindlich ahnen. Aber wie soll man das in Worte fassen? Wie argumentieren?
Seit diese Fragen in meiner Zeit als Student der Molekularen Biotechnologie in Freising aufgeworfen wurden, haben sie mich nicht mehr losgelassen. Ich war im MBT-Studium angetreten, mich mit den großen Fragen des (biologischen) Lebens zu befassen und hatte nun gemerkt, dass es mich noch mehr zu den größten Fragen überhaupt hinzog. Mein Glaube, der jahrelang ein eher unauffälliger Begleiter meines Lebens gewesen war – wenn auch schon immer ein reges Interesse an religiösen Fragen und eine gewisse Kirchlichkeit vorhanden gewesen waren – schob sich nun mit Macht in den Vordergund und forderte mich heraus. Aber wie sollte ich darauf reagieren?
„Dann werd halt Priester“, war die lapidare und unernst gemeinte Bemerkung meiner Mutter, als ich kurze Zeit später zu Hause beim Spülen von meinen Gedanken erzählte. Dann haben wir beide gelacht.
Zurück in Freising kam mir die Erinnerung an dieses Gespräch wieder in den Sinn. „Warum eigentlich nicht?“ dachte ich mir und begann mit umfangreichen Recherchen. Mit jedem Informationsschnipsel wurde mir immer bewusster: Der Priesterberuf ist der Beruf, den ich schon immer gesucht habe: Anspruchsvoll für Kopf und Herz, den ganzen Menschen ergreifend und unheimlich spannend in jeder Beziehung!
Wo sonst kommt man mit dem ganzen Leben von Menschen in Berührung und kann mit ihnen und ihren Lebensgeschichten Gott nachgehen?
Ein halbes Jahr und zwei Informationstreffen später war mir klar, dass ich mich im Seminar bewerben würde. Jetzt war die Zeit reif, meinen Entschluss den Freunden und Bekannten zu erzählen. Nach anfänglichem Unglauben haben nahezu alle meine Entscheidung anerkannt. Meine Familie war schon länger im Bild und stand ebenfalls voll hinter mir – ein wertvolles Geschenk, für das ich sehr dankbar bin.
Auch mein alter Heimatpfarrer – eine große Priestergestalt, die meinen Glauben von Kindheit an geprägt hat – machte mir Mut: „Ich beneide dich darum, heute Priester werden zu können!“ Ihm war es wichtig, die sich abzeichnenden Veränderungen in der Kirche nicht als lähmendes Schreckgespenst, sondern als schöpferische Möglichkeit für eine neuen Gestalt von Kirche zu sehen – eine Haltung, die mich tief beeindruckt und in-spiriert hat.
Im Spätsommer 2003 war es dann soweit: Zusammen mit drei Kommilitonen begann ich mein Studium im Seminar, das mich unter anderem für acht Monate nach Jerusalem führen sollte. Bei den Benediktinern in der Dormitio-Abtei erschlossen sich mir völlig neue Perspektiven auf Theologie, Kirche und Glauben, von denen ich bis heute zehre.
Nun ist die Ausbildung geschafft. Tiefe Freundschaften und oft brillante Mentoren haben mich auf meinem Weg begleitet, vom Beginn meines Studiums über diverse Praktika bis hin zu meiner Diakonatsstelle in Unna.
So bestärkt bin ich nun mit Gottes Hilfe bereit, mich
– trotz all ihrer Schwächen – ganz in den Dienst der Kirche zu stellen und sie auf ihrer Expedition in das unentdeckte Land ihrer Zukunft mit zu prägen.
Ich kann es kaum erwarten endlich damit anzufangen!
Auch Markus Püttmann sagt am 22. Mai mit aller Entschiedenheit Ja!:
Ich möchte direkt mit meinem Primizspruch ins Haus fallen, der mich schon viele Jahre begleitet: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet.“ (Röm 12,12)
Dieser Spruch hat im Grunde schon die Zutatenliste für mein Leben und meine Berufung. Manch eine Leserin oder manch ein Leser mag sich jetzt vielleicht fragen: „Freudig in der Hoffnung? Bei der derzeitigen Situation in der Kirche?“ Und ich sage mit aller Entschiedenheit: JA!! Ich bin und bleibe freudig in der Hoffnung.
Es ist sicherlich eine große Herausforderung an die Kirche und an jeden von uns. Aber es ist wohl die einzige Möglichkeit, um ausreichend Kraft für den eigenen Hoffnungsweg zu haben. Hoffnung spielt in meinem persönlichen Berufungsweg eine große Rolle. Hoffnung, die ich im Gebet gefunden habe.
Eine Hoffnung, die mich bis heute trägt.
Bei einer Klausurtagung einer Ordensgemeinschaft wurde „Berufung“ mit einem Tunnel verglichen, auf den zugegangen werden muss, in dem Hindernisse überwunden werden müssen, in dem auch Dunkelheit herrscht. Ich würde das so unterschreiben. Und immer wieder waren da Menschen, die mir in diesem Tunnel ein Licht angezündet haben, die mir geholfen haben Hindernisse zu überwinden und die Wegbegleiter waren.
Diese Menschen haben in all den Jahren meine Entscheidung gestärkt, Priester werden zu wollen. Familie, Freunde, Menschen in Olpe, Nordwalde oder Hövelhof. Sicherlich gibt es bei all den Umbrüchen in der pastoralen Struktur immer wieder auch Momente der Sorge und Ängstlichkeit. Ich vertraue dabei aber ganz auf meine Hoffnung und auf meinen Glauben, den mir meine Eltern vorgelebt haben und immer noch vorleben. Bischof Dom Helder Camara drückte es einmal so aus: „Die Hoffnung, die das Risiko scheut, ist keine Hoffnung. Hoffen heißt, an das Abenteuer der Liebe glauben, Vertrauen zu den Menschen haben, den Sprung ins Ungewisse tun und sich ganz Gott überlassen.“ Auf meinem bisherigen Lebensweg hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, auch mal den Sprung ins Ungewisse zu tun.
Der zweite Teil des Pauluswortes benennt die Geduld. Auch die musste ich auf meinem Berufungsweg haben. Vielleicht musste ich sie auch neu erlernen. Lourdes hat mir dabei sehr geholfen. Seit vielen Jahren fahre ich mit dem Lourdesverein Westfalen e.V. zu dem französischen Wallfahrtsort. Es ist ein Ort, den ich zu den Zentren für meine Berufung zähle. Immer wieder treffe ich dort auf Menschen, auf kranke und Menschen mit Behinderung, die mir gesundem Menschen zeigen, was es heißt, geduldig zu sein und dabei noch eine freudige Hoffnung auszustrahlen.
Ich habe viel Zeit und Geduld benötigt um mir meine Fragen zu beantworten. Ist das wirklich eine Berufung, die du da gerade spürst? Meint ER wirklich mich? Diese Gedanken haben mich jahrelang daran gehindert, den Schritt zu wagen. Aber Gott hat mich dabei nie losgelassen.
Gott geht mit, auch auf Umwegen. Das habe ich in meinem Leben deutlich erfahren. Gott hat Geduld. Auch das habe ich immer gespürt. Gott hat Geduld mit mir. Er gibt mich nie auf. Es war mir eine große Hilfe. Auch von meiner Familie, von Freunden und Gemeindemitgliedern habe ich erfahren: Wir gehen deinen Weg mit, auch auf Umwegen, wir haben Geduld mit dir, wir geben dich nicht auf.
Eines darf aber bei aller Hoffnung und Geduld nicht fehlen. Das Gebet. Mein Weg ist von meinem eigenen und vom Gebet vieler Menschen geprägt. Ich glaube, dass Gott mich gerufen hat. Ich möchte mit meinem Leben versuchen eine Antwort zu geben.
Info
Erzbischof Hans-Josef Becker wird Carsten Adolfs, Jörg Heinemann und Markus Püttmann am Samstag, dem 22. Mai zu Priestern weihen. Die Weiheliturgie im Hohen Dom zu Paderborn beginnt um 9 Uhr. Nach dem Gottesdienst findet für die Neupriester und ihre Angehörigen ein Empfang statt.






