Christsein in „Echt-Zeit“: Habt Mut!

Gedanken zu Mt 11,2-11

Foto: Elias Sch / pixabay

 

Aus persönlicher Jesus-­Erfahrung erwächst die Kraft und der Mut, als echter Christ zu leben.

von Andreas Rohde

Wir alle kennen Menschen, die wir als „echt“ oder „authentisch“ bezeichnen. Von solchen Menschen sprechen wir in der Regel respektvoll. Wir sind froh, solche Menschen zu kennen und sie vielleicht sogar zu unseren Freunden zählen zu können.

Woran erkennen wir einen „echten“, „authentischen“ Menschen? Kurz gesagt, ist das jemand, der sagt, was er denkt, und tut, was er sagt. Das ist ein Mensch, der nicht hintenherum irgendein falsches Spielchen treibt und der ehrlich und wahrhaftig ist.

Johannes will im heutigen Evangelium erfahren, ob Jesus wirklich ein „Echter“ ist – der echte Messias. Es gab zur Zeit Jesu einige selbst ernannte Propheten, die von sich behaupteten, messianische Kräfte zu haben. Von daher versteht sich die Frage des Johannes, die ja auch für uns nicht unwichtig ist: Ist Jesus der echte Messias? Oder verschwendet man seine Zeit, wenn man sich mit ihm beschäftigt?

Der Prophet Jesaja hatte einige Jahrhunderte zuvor sozusagen ein Profil für einen Messias angelegt. Der echte Messias wird Blinde sehend machen, Lahme wieder mobil, Aussätzige rein. Und er wird in den armen und benachteiligten Menschen besondere Ansprechpartner haben. Auf diese verheißungsvolle Ankündigung nimmt Jesus Bezug. Er löst dies alles ein, wie uns die Evangelien überliefern. Löst er es auch in unserem Leben ein? Wäre die eigene Lebensgeschichte nicht ein guter Ort, an dem sich die verheißungsvolle Botschaft Jesu authentisch erfahren ließe?

Wenn ich Sie fragen würde, warum Sie an Jesus glauben, würden Sie zurecht mit einer Begebenheit aus Ihrer Lebensgeschichte antworten. Sie würden erzählen, was Ihnen Jesus Christus und der Glaube an ihn ganz persönlich bedeutet, und Sie würden dies mit einer wirklich erlebten Geschichte unterstreichen.

Genau darum geht es: Ob wir Jesus Christus für echt und authentisch halten, beantwortet sich auch dadurch, dass wir ihn in unserem eigenen Leben erfahren haben! Solche „echten“ Begegnungen mit dem Messias sind nicht immer gleich als solche erkennbar.

Wenn wir beispielsweise durch ein Wort des Evangeliums angeregt werden, in eine neue Richtung zu denken, werden wir dann nicht auf eine gewisse Art wie ein Blinder sehend?

Wenn wir aufgrund unseres Glaubens neuen Mut schöpfen und uns aus der Lähmung unserer Ängste befreien können, werden wir dann nicht wie ein Lahmer gehend?

Wenn wir uns neu dem Wort Gottes öffnen und es etwas in uns bewirkt, werden wir dann nicht wie ein Tauber hörend? Und wenn wir Versöhnung, Gemeinschaft und Teilhabe am Leben erfahren (und schenken!), ist es dann nicht so, dass wir wieder Lebendigkeit in uns verspüren und aufstehen können?

Was braucht es, um Jesus in unserem Leben als echten und authentischen Messias zu erfahren? Beweise? Wunder? Vielleicht einfach nur achtsame Augen und Ohren, damit wir die Spuren der Gegenwart Jesu in unserem Leben deuten können. Dazu bietet sich jetzt im Advent Gelegenheit. Natürlich soll es nicht nur bei selbst-besinnlichen Tagen bleiben.

Wer die Erfahrung gemacht hat, Jesus im Leben begegnet zu sein, der wird dazu ermutigt, selber authentisch und echt als Christ zu leben. Johannes wird uns ja gerade deshalb Jahr für Jahr im Advent vor Augen gestellt, damit wir an das Zeugnis erinnert werden, das wir persönlich zu geben befähigt und berufen sind. Glaube ist keine reine Innerlichkeit, sondern mündet immer in den Auftrag und die Sendung, Kirche und Welt, Politik und Gesellschaft zu gestalten. Das ist Christsein in „Echt-Zeit“. Ein authentischer Jesus braucht authentische Zeugen!

Zum Autor:

Pastor Dr. Andreas Rohde ist Direktor im Bildungs- und Exerzitienhaus St. Bonifatius in Winterberg-Elkeringhausen.

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