Die Pilger auf dem Schleppersitz

Zum 20. Mal: Traktoren-Wallfahrt aus Westenholz über 60 Kilometer zur Gottesmutter nach Werl

Delbrück-Westenholz/Werl. Einmal im Jahr ist auf dem Hof von Willi Knepper in Delbrück-Westenholz ganz früh reichlich Betrieb: Eine ganze Reihe von Traktoren gibt sich dort schon vor Sonnenaufgang ein Stelldichein. Doch steht kein gemeinsamer Ernteeinsatz auf dem Programm. Diese Zeiten haben die betagten und topgepflegten Schlepper lange hinter sich. Ihr Ziel sind weder Äcker noch Felder, sondern die „Trösterin der Betrübten“ in Werl: Die Westenholzer Traktor-Pilger haben ihren festen Platz im Werler Wallfahrtskalender. In diesem Jahr nahmen die Oldtimer-Freunde die Strecke zum 20. Mal unter die grobstolligen Reifen.

von Andreas Wiedenhaus

Nach dem Reisesegen geht es los: Die Dieselmotoren erwachen zum Leben. Sie geben den gemächlichen Takt vor für die nächsten Stunden. Rund 60 Kilometer liegen vor den 18 Schleppern und ihren Fahrern. Die meisten sind erfahrene Wallfahrer, doch auch vier Neulinge sind dabei. Bei einer Geschwindigkeit von deutlich unter 20 Stundenkilometern bleibt genügend Zeit, die Landschaft zu genießen. Im Moment ist es aber noch dunkel, die Scheinwerfer erhellen die Straßen und Wege, die die Traktoren um diese Uhrzeit noch für sich allein haben.

Stress wird es auch nicht geben, wenn der Berufsverkehr beginnt: Die Strecke, die die Organisatoren ausgewählt haben, führt über Nebenstraßen und Wirtschaftswege. „Wir haben in diesem Jahr ein paar kleine Änderungen vorgenommen“, erklärt Willi Knepper, „sodass wir viel befahrene Straßen noch besser umgehen.“ Abgesehen davon sind ja Ferien, was sich im Straßenverkehr entspannend bemerkbar macht.

Die meisten anderen Verkehrsteilnehmer freuen sich sogar über die Schlepperparade zur Morgenstunde. Da geht der ein oder andere Daumen anerkennend in die Höhe.

Eicher, Fendt, Kramer, Deutz, Hanomag – die Markennamen der vor sich hin tuckernden Schmuckstücke lassen die Augen von Treckerfreunden leuchten. Auch ein Ford ist dabei, ebenso ein Unimog („Universalmotorgerät“). Sogar ein Porsche ist mit von der Partie. Der Schlepper ist zwar nicht so schnell wie die Sportwagen aus dem gleichen Hause, doch mit seiner schnittigen Haube und der leuchtend roten Farbe zeigt er, dass er etwas Besonderes ist.

Eine kleine Panne bringt den Plan leicht durcheinander, das gemeinsame Foto vor der Basilika und das Abstellen der Schlepper auf einem Schulparkplatz sorgen für einen weiteren Zeitverzug.

Dass die Treckerfreunde zum Pilgeramt in der Basilika mit etwas Verspätung kommen, macht aber nichts. Pater Ralf Preker begrüßt die Westenholzer während der Messe sogar noch einmal persönlich: „Jetzt sind Sie da!“

Über die Jahre ist ein enges Verhältnis zum Wallfahrtsleiter der Franziskaner gewachsen. So schwingt eine gehörige Portion Abschiedsschmerz beim anschließenden Treffen vor der Basilika mit, denn die Franziskaner verlassen Werl im Herbst.

Doch Pater Ralf hat schnell den passenden Trost parat: Er lädt die Schlepperfahrer an seine neue Wirkungsstätte ein. Die Tour dorthin wäre allerdings deutlich länger! Vielleicht fängt der ein oder andere im Kopf schon an, die entsprechenden Tages­etappen zu berechnen?

Nach einer gemeinschaftlichen Stärkung geht es dann zurück zum Parkplatz. Dort sorgen zwei Polizeibeamte für eine kurze Schrecksekunde. Die beiden entpuppen sich allerdings als Oldtimer-Freunde, die das ein oder andere über die Landmaschinen-­Veteranen wissen möchten und noch eine gute Fahrt wünschen. So steht einer entspannten Rücktour nach Westenholz nichts im Wege!

Weitere Fotos finden Sie in der Printausgabe des Dom Nr. 33/34-2019.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel