Ein großer KABler und Demokrat

Gedenkstein für Gerhard Krampe in Hamm eingeweiht

Hamm. Eine besondere Würdigung zog KAB-Mitglieder und Christdemokraten am Samstag, 11. Mai, auf den katholischen Südenfriedhof: Für Ehrenbürger Gerhard Krampe wurde ein Gedenkstein eingeweiht. Krampe war ein besonderer Mensch, denn er zeigte sich stets sozial und mutig – auch während der Nazizeit.

von Peter Körtling

Genau an diesem Tag hätte Krampe seinen 128. Geburtstag gefeiert. Doch der öffentliche Zuspruch zeigte, dass der am 14. Oktober 1980 Verstorbene im Herzen vieler Mitbürger noch höchst lebendig ist. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, dem CDU-­Kreisvorsitzenden Arnd Hilwig und KAB-Sozialsekretär Benedikt van Acken war es keine Pflicht, sondern eine Verpflichtung, diesen Moment mitzuerleben, als Pastor Uwe Kolk­mann den Gedenkstein einweihte.

Gerhard Krampe war einfacher Herkunft, aber zeigte immer wieder seine besonderen Fähigkeiten, wenn es darauf ankam: Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Ausbildung zum Drahtzieher bei der Westfälischen Drahtindustrie Hamm. Bereits während der Zeit der harten Industriearbeit zeigte sich Krampe stets solidarisch. So trat er 1909 dem christlichen Metallarbeiter­verband und 1920 der Bauproduktiv-­Genossenschaft „Gemeinwohl“ seiner Heimatstadt bei, die unter der Leitung von Johannes Kunz aus den Reihen der Arbeitervereine und den christlichen Gewerkschaften gegründet wurde.

Im Jahr 1924 trat er schließlich in den KAB-Ortsverein „Liebfrauen“ ein, dem er ab 1938 auch vorstand. Als engagierter Katholik erlebte Krampe seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten gefährliche Zeiten: Die Tätigkeit der erfolgreichen Bauproduktiv-­Genossenschaft war den Nazis ein Dorn im Auge. Im Oktober 1933 kam eine Aufforderung zur Gleichschaltung im Sinne des Nationalsozialismus. Bei der folgenden Versammlung sprach sich Mitglied Caspar Stolze gegen die Gleichschaltung aus und wurde am Tag darauf von der Baustelle weg verhaftet.

Auch das ganz normale kirchliche Leben wurde übel bekämpft: Krampe erinnerte sich in einem Pressebericht an diese Zeit: „Die Übergriffe der Gestapo und Organisationen wie SS, SA und Hitlerjugend wurden unerträglich. Die Gestapo bespitzelte jeden Gottesdienst. Die Fronleichnamsprozessionen wurden gestört, die [] aufgehängten Fahnen wurden abgerissen oder sogar verbrannt, [] Die Teilnehmer der Prozessionen wurden fotografiert und öffentlich verhöhnt.“ Diese Worte wurden besonders ernst aufgenommen, da die neuen Rechten vielerorts wieder marschieren und sich die Ähnlichkeit der Schilderung aufdrängte.

Trotz des Verbotes ab 1936 machten die KAB-Mitglieder im Untergrund weiter, so gut es ging: Dechant Brück stellte dem Sekretariat Räume zur Verfügung, Prälat Konermann aus Münster brachte die Predigten Graf von Galens mit, die vervielfältigt und verteilt wurden. Auch den seliggesprochenen KAB-Arbeitersekretär Nikolaus Groß traf Krampe bei der KAB-­Arbeit immer wieder in Hamm. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 setzte auch in Hamm eine Verhaftungswelle ein: Insgesamt 18 Personen aus dem direkten Umfeld Krampes wurden morgens um vier Uhr verhaftet. Das gute Netzwerk vor Ort sorgte schließlich dafür, dass bis auf den hingerichteten Max Wienhold alle Inhaftierten wieder freigelassen wurden.

Nach Kriegsende gehörte er zu den Mitbegründern der CDU Hamms und bereits ab 1948 errichtete die Siedlergemeinschaft Hamm-Süd unter seinem Vorsitz die „Krampe-­Siedlung“. In der schwer ausgebombten Stadt war die Schaffung von Wohnraum ein wichtiges Thema. Das zeigte sich auch daran, dass zur Einweihung der ersten zwölf Siedlungshäuser Erzbischof Jaeger aus Paderborn anreiste. Ab 1949 wirkte Krampe als Vorstandsmitglied des Westdeutschen Verbandes der KAB an dessen überregionalen Wiederaufbau mit und nach einer ersten Zeit im Stadtrat war Krampe von 1954 bis 1966 als Landtagsabgeordneter aktiv.

Für seinen besonderen Einsatz wurde Krampe schon zu Lebzeiten mehrfach ausgezeichnet: Bereits im Jahr 1957 wurde ihm der päpstliche Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ verliehen. Im Jahr 1961 erhielt er das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und nachdem er 1967 den Ehrenteller der Stadt Hamm erhielt, wurde er 1971 auch zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt. Nicht nur der Prominenz, auch vielen Zeitgenossen, die Krampe noch persönlich kannten, war es eine Freude, diesem Gedenken beizuwohnen.

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