„Wichtiger Teil der Kirche“

Erzbischof Becker würdigt Frauen-Initiativen / kfd aus dem Erzbistum demonstriert in Fulda

Paderborn/Fulda (pdp). Erzbischof Hans-Josef Becker hat die erneuten Reformrufe und Aktionen des kirchlichen Frauen-Netzwerkes „­Maria 2.0“ und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) gewürdigt und das Engagement der Frauen in der Kirche gelobt. In einem Interview am Rande der in Fulda tagenden Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ging er auch auf die Initiativen der vergangenen Wochen und Monate für einen Neuaufbruch in der katholischen Kirche ein und hob die gemeinsamen Ziele mit den engagierten Frauen hervor.

„Frauen, worauf wartet Ihr?“, stand auf vielen Plakaten, mit denen Aktive aus dem Diözesanverband Paderborn in Fulda bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz demonstrierten: Marianne Völlmecke, die stellvertretende Vorsitzende Petra Tölle, Dorothee Brünger, die Vorsitzende Katharina Brechmann und die stellvertretende Vorsitzende Inge Dahlbüdding-Heintel. Die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende, Professorin Dr. Agnes Wuckelt aus Paderborn, machte deutlich: „Wir haben Jahrzehnte gebraucht, um vor einem Dom zu stehen und laut die Weihe von Frauen zu fordern. Es ist kein Tabuthema mehr. Einige Bischöfe sind auf uns zugekommen und haben gemerkt, dass man mit uns reden kann. Ich verspreche, dass wir nicht Ruhe geben werden. Es geht um alle Dienste und Ämter.“ Foto: kfd

 

Becker betonte in seinen Äußerungen, dass er die Initiativen katholischer Frauen sehr ernst nehme. Schließlich gehe es um „echte Anliegen“ eines „wichtigen Teiles der Kirche“. Zusammen mit den engagierten Frauen wolle er insbesondere im Erzbistum Paderborn „ausloten, was wir tun können“. Die „lebendige Weitergabe des christlichen Glaubens und eine menschenfreundliche Kirche“ seien dabei wichtige gemeinsame Ziele.

Zu weiteren Forderungen, die nicht auf Bistumsebene zu klären und zu realisieren seien, machte Erzbischof Becker den Vorschlag, „in einem echten Miteinander zu überlegen, welche gemeinsamen Ziele wir realistischerweise vor Ort erreichen und umsetzen können“. Dazu gehörten neben der Gleichberechtigung von Frau in der Kirche Themen wie Machtverteilung, Partizipationsmöglichkeiten, Gestaltung der priesterlichen Lebensform oder Reformen der katholischen Sexualmoral.

Konkrete Fragestellungen zu einer offeneren Gestalt von Kirche werden laut Erzbischof Becker in Paderborn bereits auf verschiedenen Ebenen verstärkt diskutiert: in einzelnen Gesprächsprozessen, bei der in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal stattfindenden Frauenkonferenz oder im Rahmen der weiteren Umsetzung des Zukunftsbildes und beim nächsten Diözesanen Forum im kommenden Jahr.

Er selbst sehe bei ersten Reformbemühungen „positive Entwicklungen“. Es lägen aber auch „viel Arbeit und anstrengende Herausforderungen“ vor den Beteiligten. Doch selbst wenn der Ausgang dieser Anstrengungen zum Teil ungewiss sei, sollte nicht davor zurückgeschreckt werden, erklärte Becker. Für ein kon­struktives Miteinander vor allem mit den engagierten Frauen erscheine ihm besonders hilfreich, „thematisch und inhaltlich zu differenzieren“: Es gebe „nicht nur die eine Frau und das eine Thema. Die Fragen von Frauen an ihre Kirche sind viel pluraler und individueller“.

Zur Frage, ob er die derzeitige Verunsicherung von vielen Gläubigen verstehen könne, sagte der Erzbischof, dass es ihn in Zeiten enormer Veränderungen nicht verwundere, „wenn Skepsis und Verunsicherung um sich greifen“. Für ihn bleibe aber entscheidend: „Ein Engagement auf Grundlage des Evangeliums zahlt sich immer aus. Wer sich redlich dafür einsetzt, der braucht sich nicht zu fürchten. Das gilt auch für die Beteiligung an Initiativen in unserer Kirche.“Niemand brauche Angst haben, „schräg angesehen“ zu werden, wenn es um „redliche Absichten“ gehe.

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