Zu groß und zu teuer

Die Pfarrkirche St. Augustinus in Neu-Listernohl muss abgerissen und neu gebaut werden

Soll abgerissen und neu gebaut werden: die Pfarrkirche St. Augustinus in Neu-Listernohl. Der markante Kirchturm bleibt erhalten.

 

Attendorn/Neu-Listernohl. Renovierung oder doch Abriss und Neubau? Das ist schon seit einigen Jahren die Frage bezüglich der Pfarrkirche der Gemeinde St. Augustinus in Neu-Listernohl im Pastoralverbund Attendorn. Der Kirchenvorstand hat sich nun für den Abriss entschieden. Einzig der markante Glockenturm soll stehen bleiben und in die neuen Planungen inte­griert werden.

von Meinolf Lüttecke
 
Die nach den Plänen des Architekten Prof. Hermann Gehrig (Essen) in den Jahren 1963 bis 1965 gebaute Saalkirche aus Backstein und Stahlbeton ist aus heutiger Sicht einfach zu groß, denn die Gottesdienstbesucher sind auch in St. Augustinus weniger geworden. Pfarrer Andreas Neuser, Leiter des Pastoralverbundes Attendorn, nennt auch den Sanierungsstau der alten Bausubstanz und die viel zu hohen Energiekosten als Nachteile.  
Die Kirche war seinerzeit mit einem Flachdach gebaut worden, welches bereits einige Jahre nach Fertigstellung aufgrund von Wasserschäden durch ein kupfergedecktes Dach ersetzt wurde. Die im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt Attendorn im Jahr 1972 in der Krypta errichtete Domkapitular-­Schnütgen-Gedächtnisstätte weist Feuchtigkeitsschäden auf und ist seit Jahren nicht in Gebrauch. 
Schweren Herzens haben sich die Verantwortlichen des Kirchenvorstandes deshalb für den Abriss und Neubau der Kirche entschieden. Nur der Glockenturm neben der Kirche soll erhalten bleiben und in die Planungen der neuen Kirche integriert werden.  
 
Der Abriss ruft bei einigen älteren Dorfbewohnern Erinnerungen wach, denn sie mussten sich 1965 schon einmal von ihrem Gotteshaus trennen. Bekanntlich wurden die Bewohner aus Listernohl aufgrund des Baus der Biggetalsperre in den 1960er-Jahren umgesiedelt. Die alte, vom damaligen Kölner Domkapitular Prof. Schnütgen gestiftete Listernohler Pfarrkirche wurde 1965 gesprengt und abgerissen. Die Ausstattung aus der abgerissenen Kirche – Hochaltar, Seitenaltar sowie barocke Skulpturen, die von Domkapitular Schnütgen um 1900 zusammengetragen wurden – integrierte man in die neue Pfarrkirche. Die erste heilige Messe feierte der damalige Ortspfarrer Wilfrid Müller anlässlich des Schützenfestes 1965 im neuen Kirchenbau. Der Paderborner Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger nahm die Konsekrierung am 5. Juli 1969 vor.
Doch der Blick geht jetzt nach vorne und so haben intensive Überlegungen und Diskussionen, Treffen mit Sachverständigen, Vertretern des Erzbischöflichen Generalvikariates Paderborn, des Gemeindeverbandes Olpe und der Stadtverwaltung Attendorn stattgefunden. Das Dortmunder Planungsbüro „compar“ wurde mit der Durchführung eines Architektenwettbewerbes für den Neubau beauftragt. Sieben Architekturbüros bekunden inzwischen Interesse. Folgende Vorgaben haben die Architekten zu berücksichtigen: Der Kirchenraum soll für 120 Sitzplätze mit einer Fläche von 200 Quadratmetern ausgelegt werden. Die Orgel – erst am 31. März 1996 eingeweiht – soll ihren Platz im neuen Kirchenraum bekommen. Bei Hochfesten ist das Foyer oder der große Gruppenraum zum Kirchenraum zuschaltbar. Die Sakristei ist mit 15 Quadratmetern vorgesehen. Der Bereich Pfarrheim mit Gemeinderäumen soll 190 Quadratmeter umfassen, unterteilt in einen großen und einen kleinen Gruppenraum, Büro, Küche, Foyer, Garderobe, Lager, behindertengerechte WCs und Technik. Alle Gebäudeteile sollen barrierefrei sein. 
 
„Die Kosten für den Abriss der Pfarrkirche sowie die Finanzierung des Architektenwettbewerbes werden komplett durch das Erzbischöfliche Generalvikariat Paderborn getragen“, erklärt Pfarrer Neuser. Die Rohbaukosten mit der Außenhülle der Kirche und der Gemeinderäume werden zu 90 Prozent und der technische Ausbau zu 75 Prozent bezuschusst. Der Zuschuss zur Außenanlage ist limitiert auf 100 000 Euro. Die Einrichtungskosten gehen zulasten der Kirchengemeinde St. Augustinus. Das Pfarrhaus steht zum Verkauf. Derzeit wohnen Flüchtlinge im Obergeschoss des Pfarrhauses. Damit ist die Gemeinde einer Bitte der Stadt Attendorn nachgekommen, Wohnraum für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Weiter gehen die Planungen, wenn die mit Fachleuten besetzte Jury Ende Juni die beste Planung für eine neue Kirche herausfiltert.

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